• eileenhoppe

Bitte denkt an die Allgemeinheit

Aktualisiert: Jan 15

Nachdem in den letzten Monaten die Berichtserstattung seitens der Medien im Wesentlichen den Klimaschutz, Leerstands-Nutzung und teilweise fehlende Notwendigkeit für ein neues Gewerbegebiet in den Vordergrund gestellt haben, haben wir in den letzten Tagen einige neue Artikel gelesen, die das Gewerbegebiet mehr oder weniger als unverzichtbar für das Wohlergehen Frankfurts darstellen. Beispielhaft sei hier auf den Kommentar in der FAZ vom 13. Januar 2021 verwiesen (Streit in Frankfurt: Das Gewerbe und sein Gebiet (faz.net)). Allerdings kann das Wohlergehen der Allgemeinheit anscheinend unterschiedlich interpretiert werden.


Vielen Dank an Dr. Matthias Köhler, der bereits einen Leserbrief eingesendet hat, der hoffentlich in den nächsten Tagen auch in der FAZ veröffentlicht wird.


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Hiermit möchte ich auf einen Kommentar in der FAZ vom 13.01.2021 „Das Gewerbe und sein Gebiet“ reagieren. Darin fordert der stellvertretende Ressortleiter des Regionalteils der FAZ, Manfred Köhler, eine neues Gewerbegebiet in Nieder-Eschbach zu bauen und wirft dem dortigen Ortsbeirat vor, aus eigenen Interessen und gegen das Interesse der Allgemeinheit ein solches Gebiet verhindern zu wollen. Seiner Meinung nach sei es wichtig, dass die Stadtverordneten noch vor der Kommunalwahl die Prüfung eines solchen Gewerbegebiets in Auftrag geben.

Ich stimme mit dem Kommentator überein, dass ein neues Gewerbegebiet im Norden bedeutsam für Frankfurt als Ganzes ist und nicht allein aus eigenen Interessen blockiert werden sollte. Die Schlussfolgerungen, die der Kommentar daraus ableitet, teile ich aber nicht.

Wie aus dem Klimaplanatlas der Stadt Frankfurt hervorgeht, entsteht in dem besagten Gebiet Frischluft, die über die Nidda in das Stadtzentrum strömt und die die Stadt insbesondere an heißen Tagen abkühlt. Manche Einwohner mögen sich an den höheren Temperaturen erfreuen, für viele insbesondere ältere Menschen verursacht aber die zunehmende Anzahl an Hitzetagen in Frankfurt gesundheitliche Probleme. Vor diesen klimatischen Folgen eines Gewerbegebiets warnt der Ortsbeirat von Nieder-Eschbach und die Bürgerinitiative „Nieder-Eschbach wehrt sich“. Insofern greift der Kommentar zu kurz, den Widerstand gegen ein Gewerbegebiet allein mit eigenen Interessen zu begründen. Ein Gewerbegebiet in besagten Areal ist nicht nur aus wirtschaftlichen, sondern auch aus klimatischen Gründen für Frankfurt insgesamt relevant.

Angesichts der Folgen des Klimawandels müssen in Zukunft die wirtschaftlichen Interessen viel stärker gegen die klimatischen Interessen abgewogen werden. Auch wenn insbesondere einige Großunternehmen beklagen, in Frankfurt nicht expandieren zu können, darf die Lösung nicht wie bisher sein, mehr Gewerbeflächen auszuweisen. Vielmehr sollten zu aller erst leere oder minder genutzte Flächen aufgewertet und genutzt werden. Sicherlich ist es einfacher und vielleicht auch schneller neue Gewerbegebiete auszuweisen anstatt sich mit den Eigentümern leerstehender oder minder genutzter Flächen zu einigen und diese aufzuwerten. Angesichts des Klimawandels ist dies aber geboten. Sollten trotzdem nicht ausreichend Gewerbeflächen zur Verfügung stehen, muss angesichts des Klimawandels die Frage gestellt werden, ob jedes Unternehmen in Frankfurt gehalten werden muss oder ob es nicht für Frankfurt aus klimatischen Gründen besser wäre, wenn sich ein Unternehmen oder ein Teil davon im Umland ansiedelt, z. B. im Rahmen regionaler Kooperationen der Stadt Frankfurt mit angrenzenden Gemeinden und Kommunen. Davon könnte Frankfurt und der Wirtschaftsraum Rhein-Main insgesamt profitieren.

Die Entscheidung für ein neues Gewerbegebiet im Norden Frankfurts betrifft somit nicht nur die Einwohner Nieder-Eschbachs, sondern alle Frankfurter. Deshalb und angesichts der langfristigen Folgen, die eine Bebauung hätte, wäre es fahrlässig, die Entscheidung über die Prüfung eines solchen Gewerbegebiets noch vor der Kommunalwahl durchzupeitschen. Die Stadtverordneten tun deshalb gut daran, die Entscheidung erst später zu treffen und die Frankfurter im Rahmen der Wahl im März darüber entscheiden zu lassen, wie ihre Stadt in Zukunft aussehen soll.

Dr. Matthias Köhler, Frankfurt