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Kommentar zu aktuellem Artikel in der FNP

Aktualisiert: Okt 8

Herzlichen Dank an Matthias Köhler für diesen Leserkommentar an die FNP!


Kommentar zu „Kaum Leerstand im Gewerbegebiet“, Artikel in der FNP vom

05.10.2021


Eine Begehung der Frankfurter Wirtschaftsförderung legt nahe, dass es wenig

leerstehenden Gewerbeflächen und unbebaute Flächen im Gewerbegebiet in Nieder-

Eschbach gäbe. Insbesondere Produktions- und betriebsinternen Lagerflächen

stünden nicht leer.


Die Begehung erfolgt in Reaktion auf eine Anfrage des für Nieder-Eschbach zuständigen Ortsbeirat 15 an den Magistrat, die leerstehenden Gewerbeflächen und unbebauten Flächen in dem Gebiet zu erfassen. Kann man aus dem Ergebnis ableiten, dass in Frankfurt weitere Gewerbeflächen benötigt würden?


Nein. Wer das Gewerbegebiet kennt, weiß, dass es dort kaum Produktionsbetriebe gibt, die Produktions- und Lagerflächen bräuchten. Insofern ist es nicht überraschend, wenn die vorhandenen Flächen genutzt werden. Die Wirtschaftsförderung und das Wirtschaftsdezernat der Stadt Frankfurt folgern aus der Begehung, dass es zu wenig Flächen für solche Betriebe gibt.


Diese Schlussfolgerung ist falsch. Zum einen stellt sich die Frage, ob sich Betriebe, die

solche Flächen benötigen, angesichts der Standortbedingungen (z. B. hohe Gewerbesteuern, Länge der Genehmigungsverfahren, Mangel an Wohnraum) dort tatsächlich ansiedeln wollen und ob die Ansiedlung großer Betriebe angesichts des Klimawandels grundsätzlich angestrebt werden sollte. Darüber hinaus ist die Frage angebracht, ob tatsächlich Flächen für solche Betriebe fehlen.


Bei einem Rundgang durch das Gewerbegebiet kann man schnell feststellen, dass es dort Flächen gibt, diese aber anders genutzt werden. Anstatt von Produktionsbetrieben finden sich dort vor allem mehrere Einzel- und Großhandelsmärkte, die Johanniter, mehrere Kfz-Werkstätten, die Deutschlandzentrale einer religiösen Gemeinschaft und - wie in Frankfurt überall vorhanden - Büroflächen, von denen - wie auch die Wirtschaftsförderung in ihrer

Begehung feststellt - einige leer stehen wie auch in anderen Stadteilen, in denen sie mittlerweile in Wohnflächen umgewandelt werden. Daneben gibt es noch eine Spielothek, Imbisse und ein Restaurant und vereinzelt sogar Mehrfamilienhäuser.


Wenn der Bedarf, der seitens des Wirtschaftsdezernats nach Flächen für

Handwerks- und Produktionsbetriebe gesehen wird, tatsächlich besteht, dann zeigt

sich darin, wie fehlgeleitet die Flächenplanung in Frankfurt ist und dass sie korrigiert

werden sollte.


Angesichts des Klimawandels kann die Lösung aber nicht wie in der Vergangenheit

lauten, neue Gewerbeflächen zu erschließen und damit weitere Flächen zu versiegeln, sondern zu aller erst ungenutzte und mindergenutzte Flächen in den bestehenden Gewerbegebieten aufzuwerten und einer effizienten Nutzung zuzuführen. Auf ein solches Vorgehen hat sich auch die neue Stadtregierung aus SPD, Grünen und FDP auch verständigt. Darauf, dass es noch solche Flächenreserven im Norden und in anderen Teilen der Stadt gibt, weist auch das Gewerbeflächenentwicklungskonzept 2030 der Stadt Frankfurt hin.