• eileenhoppe

Leserbrief

Vielen Dank an Dr. Matthias Köhler für seinen Leserbrief als Reaktion auf den Artikel vom 01. März 2021, welcher direkt am 02. März an die FAZ ging.

https://www.faz.net/aktuell/rhein-main/frankfurt/flaechenmangel-in-frankfurt-gewerbe-nicht-erwuenscht-17221057.html


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Sehr geehrter Herr Köhler, erneut habe ich mit Interesse ihren Kommentar zum Thema „Gewerbe nicht erwünscht“ in der FAZ vom 01.03.2021 gelesen. Wie bereits bei ihrem letzten Kommentar zum Thema „Das Gewerbe und sein Gebiet“ vom 13.01.2021. teile ich ihre Kritik, dass in Frankfurt keine neuen Gewerbeflächen ausgewiesen würden, nicht. Ich hätte mir zwar gewünscht, dass man über den Prüfauftrag für ein mögliches Gewerbegebiet an der Züricher Straße in Nieder–Eschbach erst nach den Kommunalwahlen entschieden hätte. Dass der Prüfauftrag die Entstehung eines Gewerbegebiets an mehrere Kriterien knüpft, zeugt aber dennoch davon, dass die noch amtierende Koalition (zumindest Teile davon) begriffen haben, dass es keine „Weiter so wie bisher“ bei der Entwicklung von Gewerbeflächen geben kann. Der Klimaschutz macht ein Umdenken erforderlich. Insofern ist es nicht der fehlenden Lobby der Industrie in Frankfurt geschuldet, dass in Nieder-Eschbach (zumindest vorerst) kein Gewerbegebiet entsteht, sondern der Tatsache, dass sich die Rahmenbedingungen geändert haben. Neben den klimatischen Folgen, die ein Gewerbegebiet für Frankfurt hätte, muss geprüft, ob tatsächlich ein neues Gewerbegebiet in Frankfurt notwendig ist. Die Zahlen, die in dem Kommentar genannte werden, überzeugen mich nicht. Ihrem Kommentar zufolge hätten von 2017 bis 2020 (also weitestgehend vor Corona) 36 Unternehmen aus der Stadt und 33 von anderswo nach Gewerbeflächen gefragt. Bezogen auf die gesamte Anzahl an Unternehmen, die derzeit nach Angaben der IHK in Frankfurt tätig sind (Stand August 2019: 42.235), entspricht das einem Anteil von knapp null Prozent. Selbst wenn man sich nur auf die Anzahl an Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Baugewerbe und Verkehr und Lagerei bezieht (zusammen 4.336), liegt der Anteil immer noch bei null Prozent. Auch wenn man sich die Ergebnisse der Standortumfrage der IHK Frankfurt von Oktober 2020 anschaut, scheint die Bedeutung von Gewerbeflächen für die Qualität Frankfurts als Industriestandort nicht entscheidend zu sein. Zwar sehen die befragten Unternehmen durchaus Handlungsbedarf beim Thema Gewerbeflächen-/Grundstückspreis. Viel wichtiger scheinen den Unternehmen aber andere Themen zu sein, wie z. B. die Verfügbarkeit von Wohnraum, die Dauer der Genehmigungsverfahren, die Höhe der Abgaben oder die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal. Sie führen das Gewerbegebiet „Am Martinszehnten“ als ein Beispiel dafür an, was ein Gewerbegebiet für Frankfurt bedeutet und nennen dabei unter anderem 2.500 neue Arbeitsplätze. Bei der Interpretation dieser Zahlen sollte man aber berücksichtigen, dass diese Arbeitsplätze nicht nur von Frankfurtern besetzt werden, sondern - wie in einem integrierten Wirtschaftsraum üblich – auch von Einwohnern angrenzender Städte und Gemeinden. Umgekehrt arbeiten viele Frankfurter im Umland. Selbst wenn also Unternehmen wegen mangelnder Expansionsmöglichkeiten in benachbarte Städte und Gemeinden ausweichen müssten (als Beispiele nennen sie Bad Vilbel und Oberursel), bedeutet dies nicht, dass diese Arbeitsplätze für Frankfurter verloren gehen. Viel mehr irritiert hat mich jedoch ihre Angabe, dass das Gewerbegebiet „Am Martinszehnten“ binnen zehn Jahren vollständig belegt war. Dass es so lange braucht, um das Gewerbegebiet vollständig zu belegen, zeugt meiner Meinung nach zusammen mit der Standortumfrage der IHK nicht davon, dass der Bedarf an Gewerbeflächen in Frankfurt so groß ist, wie in dem Kommentar und von der IHK und der Frankfurter CDU immer wieder behauptet. Ich bin mir bewusst, dass es einige große Unternehmen in Frankfurt gibt (z. B. Samson), die tatsächlich mehr Gewerbeflächen bräuchten. Die Frage, die sich die Stadt Frankfurt aber angesichts des Klimawandels und fortschreitenden Versiegelung von Flächen stellen muss, ist, ob jedes dieser Unternehmen auch in Frankfurt gehalten werden muss. Angesichts der begrenzten Flächen muss die Stadt Frankfurt stärker bei der Ansiedlung von Betrieben mit dem Umland kooperieren. Davon profitieren nicht nur die benachbarten Städte und Gemeinden, sondern auch Frankfurt selber.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Matthias Köhler





Wir sind eine Initiative von Bürgern in und um Nieder Eschbach, die es sich zum Ziel gesetzt haben, den Bau eines neues Gewerbegebietes auf aktuell landwirtschaftlich und zur Erholung genutzten Flächen zu verhindern.

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